Der fröhliche Wutbürger

Klaus Kelle – Bürgerlich, christlich sucht… Biete Meinung statt Mitte, Fontis – Brunnen Basel 2017, 254 Seiten, 15 €.

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Wer es böse mit Klaus Kelle meinte, würde eine Rezension seines Buchs „Bürgerlich, christlich, sucht…“ vielleicht so beginnen: ein über die Lebensmitte hinaus gereifter Nostalgiker trauert einer guten, in der Erinnerung golden gewordenen Zeit nach, in der die Familie Freitagabends gemeinsam Aktenzeichen XY schaute und sich wohlig in dem Wissen gruselte, dass das Grauen sich außerhalb des Röhrenfernsehers in Grenzen hielt. Während sich Papa noch einen Würfel aus dem Käseigel klaubte, konnte Mama sich in dem Wissen entspannen, dass die Deutschen, im Sandwich zwischen den Atommächten, im Gefühl relativer Sicherheit die Früchte des Wirtschaftswunders genießen konnten. Im fest gefügten politischen Koordinatensystem fand der junge Klaus Kelle im konservativen Lager seinen Platz, dem er seit Zeiten der Jungen Union treu blieb.

Man kann Kelles Buch als eine große Klage über das Zerplatzen dieser heilen Nachkriegswelt lesen: Energiewende, Zuwanderungswelle, Linksorientierung der Medien und allgemeiner Werteverfall: Die Themen, die Kelle abhandelt, sind hinlänglich bekannt. Tiefe der Analyse ersetzt der Autor durch viele persönliche Anekdoten, die sich zwar unterhaltsam lesen, das Werk aber auch wie eine Sammlung gut abgehangener Blog-Einträge erscheinen lassen. Manche Geschichten über Zugverspätungen und  beturnschuhte Füße auf S-Bahn-Bänken erscheinen allzu mickrig und kleingeistig für eine ernstzunehmende politische Streitschrift. So entsteht der Gesamteindruck einer bitteren Bürgerbeschwerde, die ohne Antwort bleibt. Ja, deren Adressat nicht einmal so richtig klar wird: Der Zeitgeist, die Weltläufte oder doch einfach Mutti Merkel?

Verloren wie Clemens Tönnies im veganen Restaurant

Klaus Kelle

Das wäre nämlich die zweite Lesart des Buches: als Philippika eines zutiefst überzeugten und gleichermaßen enttäuschten CDU-Wählers, der sich in der Programmatik der einst konservativen Partei so wenig wiederfindet wie Clemens Tönnies in einem veganen Restaurant. Wer es gut meint mit Klaus Kelle, findet eine Reihe von Themen und substantiellen (politischen) Inhalten, die ihm am Herzen liegen oder gar auf der Seele brennen: die faktische Benachteiligung von (kinderreichen) Familien in Deutschland, die geistliche Selbstaushöhlung der „Verwaltungskirche“ und die demokratisch zumindest fragwürdigen Ad-Hoc-Entscheidungen in der Euro-Krise, nach Fukushima und in der Flüchtlingskrise.

Im letzten Kapitel seines Buches skizziert Kelle gar die Grundzüge eines politischen Programms – eines der Stärken des munter erzählten Werkes. Die Punkte lassen sich rasch benennen: Staatsquote zurückfahren und Ausgaben für Kultur kürzen, Familien massiv fördern, Gleichstellungsbeauftragte abschaffen, Vorratsdatenspeicherung stärken, EU verschlanken und den Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunk eindampfen. Außerdem: Geltendes Recht gegen Straftäter strenger anwenden und die Amtszeit des Kanzlers auf acht Jahre beschränken.

Alte Tante CDU, was ist aus dir geworden?

Ein Schelm, der „Alternative für Deutschland“ dabei denkt? Wohl kaum, aber gegen diese Alternative grenzt sich Kelle als ewig treuer Parteigänger Helmut Kohls und überzeugter liberal-Konservativer freilich entschieden ab. Zwar räumt Kelle Sympathie für „die Konservative“ Frauke Petry ein, wendet sich aber schon bei deren Lebensgefährten Marcus Pretzell mit Grausen ab und vergleicht die selbsternannte „Alternative“ mit einer „Kader-Partei aus der alten DDR“. Da könnte Kelle ja gleich die „Linke“ oder die „Grünen wählen“, wenn ihm nicht vorher nach eigenem Bekunden „die Hand abfaulen“ würde!

So ist und bleibt Kelles Pamphlet das eines trotzig-fröhlichen Wutbürgers, der sich an seiner alten, ersten, großen Liebe CDU in verzweifelter Fassungslosigkeit abarbeitet. Alte Tante, CDU – was ist aus dir geworden? So lautet das Seufzen zwischen den Zeilen dieses Buches. Der Untertitel könnte auch lauten: „Aktenzeichen XY – Zukunft unbekannt.“

Bewertung: 3,5 von 5 Geistvoll-Punkte.

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Der verlorene Sohn, neu betrachtet

Kenneth E. Bailey, Der ganz andere Vater. Die Geschichte vom verlorenen Sohn aus nahöstlicher Perspektive. 183 Seiten, Neufeld Verlag, 2. Auflage 2016.

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Das Gleichnis vom verlorenen Sohn ist eine der bekanntesten Geschichten der Bibel. Die Erzählung Jesu, die der Evangelist Lukas wiedergibt, hat zu so vielen Nacherzählungen, Interpretationen und Predigten inspiriert, dass sie als „Evangelium in Evangelio“ bezeichnet wurde, als Herzstück der neutestamentlichen Überlieferung. Gerade im deutschen Sprachraum fand das Buch „Nimm sein Bild in dein Herz“ von Henry Nouwen große Verbreitung, in dem der holländische Theologe das Gleichnis parallel zur bildlichen Umsetzung von Rembrandt auslegt.

Den zahlreichen Veröffentlichungen zu dieser Geschichte fügte der Theologe Kenneth E. Bailey bereits vor 40 Jahren eine weitere hinzu; das Buch „The cross & the prodigal“ erschien nun (2016 bereits in zweite Auflage) unter dem Titel „Der ganz andere Vater“ auf Deutsch. Schon der Titel verspricht einen Wechsel der Blickrichtung. Darauf deutet auch Baileys alternativer Titelvorschlag für das Gleichnis: „Die Geschichte von den zwei verlorenen Brüdern und dem barmherzigen Vater.“

Dennoch stellt sich die Frage, ob Bailey der reichhaltigen Auslegungsgeschichte entscheidend neue Einsichten hinzufügen kann. Das Alleinstellungsmerkmal Baileys ist vor allem seine eigene Lebensgeschichte und sein Erfahrungshorizont, da er viele Jahre lang selbst im Nahen Osten gelebt hat. Sein Ziel ist es, diese Erfahrungen als Folie zur Auslegung des Gleichnisses zu verwenden. Er schreibt, dass „wir im Westen seit ungefähr 1500 Westen das Neue Testament fast ohne jeglichen Kontakt mit den Christen des östlichen Mittelmeerraums auslegen, die auf einzigartige Weise die Erben der traditionellen Kultur des Nahen Ostens und dadurch auch der Kultur der Bibel sind.“ Diesen Kontakt will er wiederbeleben – und das gelingt ihm auch.

Tatsächlich führen die Erfahrungen mit der zeitgenössischen Kultur des Nahen Ostens zu Einsichten, die für die Auslegung der Geschichte essentiell sind. So ist dem nicht-orientalischen Leser zum Beispiel in der Regel nicht klar, dass der Wunsch des jüngeren Sohnes, sich sein Erbe auszahlen zu lassen, gleichbedeutend ist mit dem Wunsch, der Vater möge sterben. Es ist der bewusste Abbruch jeder Beziehung und musste im nahöstlichen Kontext als größtmöglicher Affront verstanden werden. Bailey erzählt anschaulich von Begegnungen mit arabischen Zuhörern, deren Reaktion auf den Wunsch des Sohnes Entsetzen und Empörung waren.

Eine Reihe solcher Einzelbeobachtungen erhellen das Textverständnis und eröffnen einen tiefen, lebendigen Zugang zu der vielschichtigen Familiengeschichte. Wer sich mit der Geschichte schon beschäftigt hat, wird wohl relativ wenige fundamental neue Aspekte in Baileys Auslegung finden. Schließlich bemühte sich die neutestamentliche Wissenschaft auch schon vor Bailey, die (geschichtliche) Lebenswelt der Menschen zu berücksichtigen. Die persönlichen Einsichten des Autors in die heutige Kultur und Mentalität der Menschen sind sicherlich eine Erweiterung und Bereicherung des Verständnisses, allerdings auch keine grundsätzlich neue Perspektive.

Besonders interessant ist Baileys Buch deshalb im Blick auf Gespräche und Begegnungen mit Menschen aus dem Nahen Osten und auf ihr unmittelbares Textverständnis. Für Muslime ist die Geschichte traditionell ein Beleg dafür, dass es das Erlösungswerk Jesu am Kreuz gar nicht brauchte – denn auch in der Geschichte vom verlorenen Sohn sei Versöhnung ohne ein Sühneopfer möglich. Hier zeigt Bailey eindrucksvoll, dass das Verhalten des Vaters, dem Sohn entgegenzulaufen und sich zu erniedrigen, einem Selbstopfer gleichkomme. Eine Beobachtung, die ohne Kenntnis des orientalischen Verständnisses von Ehre so nicht möglich wäre.

Das Buch von Kenneth Bailey ist besonders für das Gespräch mit Muslimen über Glaubensthemen und die Bibel interessant. Es eröffnet einen tiefen Zugang zum Verständnis Gottes als barmherzigen Vater, der sich für all seine verlorenen Söhne und Töchter selbst hingibt und ihnen entgegenläuft, um sie zu retten. Im Blick auf diese praktische Zielsetzung des Buches ist auch der zweite Teil hochinteressant, in dem der Autor eine freie Umsetzung der Geschichte als Theaterstück anbietet, das sich gut mit Gruppen – oder auch Schulklassen – nachspielen lässt.

4,5 von 5 Geistvoll-Punkte.

Die Welterklärung

Vishal Mangalwadi, The Book That Made Your World: How the Bible Created the Soul of Western Civilization, Thomas Nelson Publishers 2011, 442 Seiten.

(Deutsch: Das Buch der Mitte. Wie wir wurden, was wir sind: Die Bibel als Herzstück der westlichen Kultur, Fontis – Brunnen Basel, 2016, 608 Seiten.

The Book that Made Your World

Was ist das „christliche Abendland“? Welche Werte haben unseren Kulturkreis, die westliche Welt, geformt? Welche Mächte und Kräfte haben die „jüdisch-christliche Tradition“, wie sie heute gerne genannt wird, geprägt? Immer wieder schon habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein Außenblick, die Betrachtung aus der Ferne, Erkenntnisse und Einsichten schenkt, die dem verwehrt bleiben, der nur den Blick von Innen kennt.

Der indische Philosoph, Sozialarbeiter, Christ und Politiker Vishal Mangalwadi gibt in seinem Werk „Das Buch der Mitte“ (Wie wir wurden, was wir sind: Die Bibel als Herzstück der westlichen Kultur) Antworten auf diese Fragen. Seine Kernthese bringt der englische Titel noch besser auf den Punkt: „The Book That Made Your World: How the Bible Created the Soul of Western Civilization“. Der Einfluss der Bibel auf die Geschichte der vergangenen 2000 Jahre ist nicht zu überschätzen.

Es ist erstaunlich, wie nahe einem ein Werk kommen kann, dessen Autor vom geografisch und kulturell so weit entfernten indischen Subkontinent stammt. Und doch hat mich „The Book That Made Your World“ von der ersten Seite an gefesselt, fasziniert und mir manche Zusammenhänge aufgezeigt, die sich mir vorher so nicht erschlossen hatten. Von den  Büchern im Bereich zwischen Theologie und Geschichte, die ich gelesen habe, hat mich dieses vielleicht am meisten beeindruckt.

Das liegt zum einen daran, dass Mangalwadi westliche Kultur, Geschichte und Lebensgefühl sehr gut kennt. Er stellt Zusammenhänge zwischen Kurt Cobain, Nirvana und dem Einfluss hinduistischer Denkmuster auf die gegenwärtige westliche Gesellschaft her. Über die Geschichte des Mönchstums und die Entstehung wissenschaftlichen Denkens schlägt er den Bogen zum Aufkommen von Demokratien, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten. Er erklärt, wie Kultur und zivilisatorische Standards entstanden – und wieso sie heute wieder in Gefahr sind.

Mangalwadi spart Schattenseiten der westlichen Geschichte wie Kolonialismus, Sklaverei und Kriege nicht aus. Aber er zeigt erstaunlich klar: Immer dann, wenn Menschen ihr Leben und Handeln wahrhaftig von der Bibel inspirieren und leiten ließen, erwuchsen daraus viele segensreiche Wirkungen für Menschen und ihre Art zu leben. Zum Glück haben das viele Menschen immer wieder getan. Besonders eindrücklich sind die Schilderungen Mangalwadis aus seiner indischen Heimat, wo Elend, Not und Korruption häufig durch den Einsatz von Christen bekämpft wurden – auch von ihm selbst.

„The Book That Made Your World“ ist ein äußerst lehrreiches Buch, das mit vielen Mythen und Missverständnissen aufräumt. Eine geläufige und häufig zu hörende Annahme ist etwa, das bürgerliche Freiheiten, die moderne Wissenschaft oder auch die Abschaffung der Sklaverei in Abgrenzung von christlichem Denken erkämpft werden mussten. Mangalwadi zeigt eindrucksvoll, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Zwar war die Rolle der Kirche als Institution oft ambivalent – aber sehr viele Individuen, die seit der Antike Freiheit, Forschung und friedliches Zusammenleben vorangebracht haben, bezogen sich dabei auf die Bibel und gewannen Kraft aus ihrem christlichen Glauben.

Bewertung: 5 von 5 Geistvoll-Punkten.

 

Gottes Willkommenskultur

David W. Shenk, Christen begegnen Muslimen. Wege zu echter Freundschaft, Neufeld Verlag 2015, 216 Seiten, 14,90 €.

Shenk - Christen begegnen MuslimenMit mehr als 1,5 Milliarden Anhängern ist der Islam nach dem Christentum die zweitgrößte Religion der Welt. Inzwischen leben auch Millionen Muslime in Deutschland und anderen europäischen Ländern – eine Tatsache, die vielen Sorgen bereitet oder sogar Angst macht. Neben eher diffusen Ängsten vor kultureller Überfremdung befürchten viele, dass insbesondere konservative Formen des Islam unsere Gesellschaft verändern – vom Kopftuch über den getrennten Sportunterricht bis hin zu Ehrenmorden. Auch die Angst vor Terror wächst, nicht zuletzt nach den furchtbaren Anschlägen vom 13. November in Paris. Deshalb ist meiner Meinung nach dieses Buch von Shenk sehr wichtig.

David W. Shenk wurde 1937 in Ostafrika als Kind von Missionaren geboren. Der Theologe und Anthropologe hat viele Jahre in muslimischen Ländern gelebt und enge Beziehungen mit vielen Muslimen geknüpft. Dabei hat er festgestellt: Jesus ruft uns Christen dazu auf, auf alle Menschen versöhnungsbereit zuzugehen und unsere Freundschaft anzubieten – denn Gott selbst ist allen Menschen gegebenüber freundlich gesinnt. Dabei ist es Shenk besonders wichtig, keine Zweckbeziehungen einzugehen, sondern einfach das Beste für die Menschen um uns herum zu suchen. Im vorliegenden Buch beschreibt er die Besonderheiten, die er bei Beziehungen mit Muslimen immer wieder erlebt hat.

Vorab gesagt: Man spürt an den Worten David W. Shenks die große Wertschätzung, die er gerade Muslimen entgegen bringt. Und diese Wertschätzung und ein grundlegender Respekt sind für ihn auch elementar in der Begegnung mit ihnen. In zwölf Kapiteln beschreibt er, welche Aspekte er in christlich-muslimischen Freundschaften für wichtig hält. Zentral ist für ihn, um den eigenen Glauben als Christ zu wissen, zur eigenen Identität zu stehen und den Weg Jesu konsequent zu leben. Das hat ihn selbst ihn sehr viele Begegnungen geführt, von denen er eindrücklich erzählt. So hat er auch mit gewaltbereiten Dschihadisten gesprochen und mit ihnen über die Versöhnung und den Frieden durch Jesus geredet.

Bei der Frage, wie man sich mit Muslimen über Glaubensfragen austauschen sollte, vertritt er eine ungewöhnliche Sichtweise. Er liest mit Muslimen den Koran und die Bibel und sucht Gemeinsamkeiten zwischen den Schriften. Er ermutigt die Muslime, sich mit dem Bild Jesu im Koran auseinanderzusetzen und sieht die Heilige Schrift des Islam als Hinweis auf Jesus. Das ist sicherlich der Punkt, an dem Shenk am angreifbarsten ist. Andererseits: er macht keine Abstriche von der Offenbarung Gottes in Jesus Christus und dem Wahrheitsanspruch des Sohnes Gottes. Gerade deshalb nehmen in Muslime ernst, die gar kein anderes Religionsverständnis kennen.

Die christliche Kirche hat eine besondere Verantwortung, Frieden zu stiften – in unseren heimischen Ländern und weltweit. Das ist die tiefe Überzeugung des mennontischen Theologen Shenk. Er positioniert sich klar: „Ich glaube, der Leben spendende Weg, der Weg, der von Heilung und Hoffnung in unserer modernen Welt spricht, ist der Weg Jesu, dessen offene und verwundete Hände uns einladen, zu ihm zu kommen. In Jesus gibt es Vergebung und Versöhnung auf der tiefsten Ebene unseres Lebens.“ (S. 207)

Und an anderer Stelle: „Wo immer Mauern hochgezogen werden, ist es der Auftrag der Kirche, im Zusammenwirken mit dem Heiligen Geist und den Menschen des Friedens, die Mauern einzureißen. Wir müssen dort Buße tun, wo wir selber trennende Mauern aufgebaut haben, und uns stattdessen dafür einsetzen, Brücken des Friedens zu bauen.“ (S. 172)

Shenks Buch ist berührend, bewegend, aufrüttelnd und herausfordernd. Es wirft viele Vorurteile über den Islam über den Haufen und ruft uns den dringenden Auftrag Jesu in Erinnerung, alle Menschen zu lieben – und besonders in Muslimen Menschen zu sehen, die Gott suchen und ihm dienen wollen. Bei dieser Suche kommt es darauf an, wie überzeugt und überzeugend wir selbst den Weg Jesu gehen. Denn als Christen haben wir tatsächlich nur eine mögliche Antwort auf Hass und Gewalt: den Weg der Liebe, des Friedens und der Versöhnung.

Bewertung: 5 von 5 Geistvoll-Punkten.

Kühl/Kubitschek – Maggie Gobran

Kubitscheck, Judith und Kühl, Judith: Maggie Gobran – Die Mutter Teresa von Kairo, Adeo Verlag 2015, 280 Seiten, 17,99 Euro.
Maggie Gobran
Ein Segen für Ägypten

Viele Menschen suchen ihr Leben lang nach Glück und Zufriedenheit. Auch die Ägypterin Maggie Gobran suchte lange nach Erfüllung, ohne sie wirklich zu finden. Dabei hatte sie vieles: eine Familie, beruflichen Erfolg, gesellschaftliche Anerkennung. Und doch fehlte ihr etwas. Erst bei den Ärmsten der Armen, den „Müllkindern“ in den Slums von Kairo, entdeckte sie, was ihrem Leben wirklich Sinn und Erfüllung gab: die Liebe Gottes weiterzugeben. Die Autorinnen Judith Kubitscheck und Judith Kühl erzählen die Lebensgeschichte von Maggie Gobran auf einfühlsame und sprachlich ansprechende Weise, in einfachen Worten, ohne Pathos und doch unglaublich berührend.

Maggie Gobran wird 1949 in Kario in eine wohlhabende Familie hineingeboren, genießt die beste Ausbildung, wird erfolgreiche Marketingmanagerin und schließlich Informatikprofessorin. Sie liebt schicke Kleider, schnelle Autos und das schöne Leben. Bei Besuchen in der riesigen „Müllstadt“ Mokattam, in der sich viele tausend Menschen buchstäblich von Müll ernähren, erfährt sie, in welcher unvorstellbaren Armut viele Menschen leben. Sie beginnt, den „Zabbalin“ zu helfen und sich besonders um die Kinder zu kümmern. In vielen Geschichten schildern die Autorinnen, wie sie den Kindern zum ersten Mal überhaupt elementare Bedürfnisse erfüllte – Essen, Sauberkeit, menschliche Wärme, und ihnen so Hoffnung gab.

1989 verabschiedet sie sich ganz aus ihrem alten Leben und gibt ihre Stelle als Professorin auf. In den 25 Jahren seit dieser Entscheidung baute sie mit vielen Mitarbeitern das christliche Werk „Stephen’s Children“ auf, das heute 95 Kindergärten betreibt, dazu Familienzentren und Schulen. Prof. Gobran wird zu Mama Maggie, irgenwann meist „die Mutter Teresa“ von Kairo“ genannt. Sie ermöglicht den Kindern den Zugang zu Bildung, gibt ihnen Selbstvertrauen und wäscht ihnen die Füße. Der Leser erfährt nebenbei viel über die „Zabbalin“, von denen insgesamt 100 000 in einer Art Parallelwelt in Kairo leben.

Maggie Gobrans Leben wird wird mit der Zeit immer einfacher, reduzierter. Ein starkes Symbol dafür: sie verkauft ihren ganzen Schmuck, um vom Erlös die Armen zu versorgen. Ihre Lebenshaltung beschreibt sie mit dem Dreiklang „Beten, Fasten und Geben“ – das ist für sie der Schlüssel zum Glück. Sie macht die Erfahrung:  „Großzügigkeit ist ansteckend“, und lässt sich im Laufe der Jahre auch von vielen Rückschlägen nie entmutigen. Und auch davon gibt es genug, von Hindernissen durch die ägyptische Bürokratie bis hin zu einem brutalen Anschlag auf einen Kindergarten.

Nebenbei erfährt man viel über die ägyptische Gesellschaft – und auch, wie sich inzwischen manches zum Besseren gewandelt hat. Und vieles nicht. Immer noch ist an vielen Orten die Not groß und es gibt genug zu tun für Mama Maggie und ihre vielen Helfer. Eine große Rolle spielt auch die Tradition der Kopten, der ägyptischen Christen und besonders die lange Geschichte der Wüstenmönche. Maggie findet häufig bei Klosteraufenthalten neue Kraft und auch ihr Sohn ist inzwischen vom erfolgreichen Ingenieur zum Mönch geworden.

Viele lebendig erzählte Geschichten machen dieses Buch absolut lesenswert und bewegend. Eine kleine Schwäche ist einzig eine etwas wirre Chronologie, die den Leser oft im Unklaren lässt, wann welcher Abschnitt nun gerade spielt. Aber das ist bei vielen der Anekdoten und persönlichen Schilderungen auch gar nicht so wichtig.

5 von 5 Geistvoll-Punkte.

Zindel – Gestillt

Zindel, David: Gestillt. Nachtgespräche mit David, Neufeld Verlag 2014, 142 Seiten, 12,90 Euro.

David Zindel - GestilltEin himmlischer Briefwechsel

Zugegeben: ich war diesem Buch gegenüber zunächst etwas skeptisch. Grund ist die ungewöhnliche Konstellation: ein mit allerlei Problemen geplagter Familienvater schreibt Briefe an den verstorbenen König David, der vom Himmel aus antwortet. Ein gutes Drittel des Werkes lang hat sich diese Skepsis bei mir eher verstärkt, zumal der Autor nicht einmal den Versuch einer Rahmenhandlung oder Erklärung der Konstruktion unternimmt. Dazu kommt, dass auch die Briefe selbst inhaltlich und stilistisch etwas holprig anmuten. So ist David einerseits weiser König, der aus himmlischer Perspektive vieles durchschaut, andererseits noch ganz in der Zeit des alten Israel verhaftet.

Dennoch trägt die originelle Grundidee. Die Hauptfigur Reinhold ist zwar etwas holzschnittartig gezeichnet (er ist zwar Christ, aber dennoch vollständig von Karriere, Autos und Machodenken besessen), doch gerade an der Zuspitzung seiner Schwächen wird dann auch eine Wandlung deutlich. Und das ist die große Stärke des Buches: Es präsentiert Einsichten über das Leben mit Christus nicht von oben herab als allgemeingültige Weisheiten, sondern von David als himmlischem Seelsorger wohldosiert in die Lebenssituationen des ausgebrannten Marketingplaners Reinhold hineingeschrieben. Die schrittweise Erkenntnis der fehlbaren Haupfigur kann der Leser so gut nachvollziehen.

Ganz schön finde ich, wie David in seinen Briefen Gedanken von Paulus, Edith Stein und Matthias Claudius einfließen lässt. Diese Passagen zählen zu den stärksten des Buches. In der zweiten Hälfte werden die Briefe dann immer lebensnaher und lebendiger, so dass einem Reinhold immer näher kommt. Sehr gut, dass Daniel Zindel auch der Versuchung widerstanden hat, seine Hauptfigur in jeder Hinsicht eine 180-Grad-Wendung vollziehen zu lassen und etwa die großen Eheprobleme wie von Zauberhand aufzulösen. So wird deutlich: der Glaube kann eine gewaltige Kraft im Leben sein und vieles von Grund auf verändern – aber das braucht viel Geduld und die Bereitschaft, sich darauf einzulassen.

Bewertung: 4 von 5 Geistvoll-Punkte.

Kadel – Fussball-Bibel

Kadel, David: Fussball-Bibel (WM-Edition), Gerth Medien 2014, 554 Seiten, 9,99 Euro.

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Die Wahrheit liegt nicht (nur) auf dem Platz

Bei der Weltmeisterschaft in Brasilien sind sie wieder ständig zu sehen: Fußballer, die sich vor dem Spiel bekreuzigen, nach einem Tor die Hände zum Himmel recken und sich nach Spielen bei Gott bedanken. Die Bilder sind schon zum Teil der Fußball-Folklore geworden, sind leicht als Ritual zu belächeln oder als Masche abzutun. „Beim Fußball geht es nicht um Leben und Tod – es geht um viel mehr“ soll der Schotte Bill Shankly einmal gesagt haben. Das trifft den fast religiösen Charakter, den Fußball häufig besitzt. Um so wichtiger ist es, darüber nachzudenken, was wirklich im Leben zählt.

Der Journalist, Kabarettist und Autor David Kadel zeigt in seiner „Fussball-Bibel“, dass sich bei vielen Kickern hinter den öffentlichen Bekenner-Gesten mehr verbirgt: ein Glaube, der sie trägt und stärkt, unabhängig vom sportlichen Erfolg und dem Fortschritt der Karriere. Prominente Namen sind da versammelt und erzählen aus ihrem Leben jenseits des Platzes: Jürgen Klopp zum Beispiel, oder Cacau, David Alaba, Lewis Holtby und Robert Lewandowski.

Sehr persönlich schildern die Stars, an was sie glauben. Eben nicht einfach an eine Art himmlischen Talisman, den sie vor Elfmetern und Beistand anflehen, sondern an einen allmächtigen und zugleich persönlichen Gott, der Vergebung und Kraft schenkt und ihnen in Höhen und Tiefen nahe ist. David Kadel schafft es, sehr amüsant Geschichten aus der Fußball-Welt mit Wahrheiten und Einsichten des Glaubens zu verbinden. Neben den Lebenszeugnissen der Kicker enthält das Buch eine Ausgabe des Neuen Testaments in verständlicher Sprache.

Ein lohnenswerter Blick hinter die Kulissen des Hochglanz-Geschäfts Fussball auf das, was wirklich zählt!

Bewertung: 4 von 5 Geistvoll-Punkte.