Ein kleiner, feiner Glaubenskurs

David Brunner, 10 Dinge, die du als Christ besser nicht glauben solltest, Brendow 2017, 157 Seiten, 10 €.

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Ich nehme mir fest vor, meine Rezension zu David Brunners Buch „10 Dinge, die Du besser nicht glauben solltest“ nicht zu einer Lobhudelei werden zu lassen. Aber garantieren kann ich für nichts. Wenn man jemanden seit 15 Jahren kennt und schätzt, wird es zugegebenermaßen nicht einfacher, ein Buch unvoreingenommen zu besprechen. Aber das gilt in beide Richtungen: wenn das Werk nicht den eigenen Erwartungen entspricht, ist es umso schwieriger, das in freundschaftliche Worte zu verpacken.

Aber jetzt los, denn David hat mir den Gefallen getan, ein Buch zu schreiben, dass ich ganz ehrlich in den höchsten Tönen loben kann. Gerade weil ich ihn kenne, verwende ich gleich mal das ansonsten verbotene a-Wort: das Buch ist authentisch. Aus jeder Zeile sprechen Ernst, Witz, Überzeugungskraft und Leidenschaft des echten David B. Einschließlich der dämlichen Kalauer, die er sich wirklich hätte sparen können (aber zum Glück nicht gespart hat…). Es ist auf eine gute Weise persönlich, ohne anbiedernd oder peinlich zu sein.

Also, worum geht’s? Der Titel führt vielleicht etwas in die Irre. Denn es geht nach meiner Wahrnehmung gar nicht in erster Linie um die Ablehnung bestimmter christlicher Glaubenssätze, sondern um die Entfaltung einer biblisch begründeten und im Leben verwurzelten Theologie. Weniger um Abgrenzung als um die Einladung zu einem radikalen, alltagstauglichen, hingebungsvollen Glauben. Der sich der Vernunft nicht verschließt, aber weiß, dass Gott immer noch höher ist als unser kleine Verstand. Der Autor bezieht Stellung, ohne zu spalten – eine unglaublich wichtige Eigenschaft in diesen Zeiten.

Eine gute Zusammenfassung des Inhalts gibt es vom Autor selbst in seinem Blog: http://david-brunner.de/10-dinge-die-du-als-christ-nicht-glauben-solltest/

Was Dave (und sein Buch) in meinen Augen besonders macht, ist die Verbindung von klarer Lehre und Entschiedenheit mit Offenheit und Liebe für die Schäfchen in Gottes Herde (und diejenigen, die es hoffentlich noch werden). Er scheut nicht die Auseinandersetzung mit postmoderner/emergenter/wasauchimmer Theologie, sondern schöpft vielmehr aus eigener reicher Lebens- und Glaubenserfahrung – ob es um die Fehlbarkeit von Frei- und Landeskirchen, den Glaube an Wunder, das Jenseits oder die Geistesgaben geht oder die ganz normalen Probleme eines Pastors. Das ganze Buch ist eine große Einladung: zum selber Denken, sich auf die Suche machen und sich auf das Abenteuer des Glaubens einzulassen.

Eingangs schrieb ich, dass sich das Buch mit dem Titel fast unter Wert verkauft. Vielleicht ist das der einzige kleine Kritikpunkt. Denn eigentlich ist das eine zeitgemäße, praktisch-dogmatische Einführung in das Christentum, fast ein kleiner Glaubenskurs, mit sehr konkreten Fragen und Anregungen am Ende jedes Kapitels. Mich hat das Buch einerseits getröstet, weil ich mich in der Beschreibung mancher Schwächen, Irrtümer und Probleme eines ganz normalen Christen wiedergefunden habe. Andererseits hat es mich sehr herausgefordert, mich als Christ nicht mit weniger zufriedenzugeben, als Gott mir schenken will. Und manche Gewohnheit und Bequemlichkeit in Frage zu stellen.

Kurz gesagt: lies bitte dieses Buch, aber pass auf, was es mit Dir macht. Oder, um einen alten Spruch abzuwandeln: Sei vorsichtig, was du von diesem Buch erwartest. Es könnte in Erfüllung gehen.

Bewertung: 5 von 5 Geistvoll-Punkte.

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